Dear fellow reader. I have to apologize. This report is only available in German language. I will not translate it into english. If you like to read it you could use an onlien translator. If you like to help me and translate it, feel free to contact me. Thank you for you understanding.

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Willkommen an Bord: wenn nichts läuft, wie geplant

Die Passagiere eines Containerschiffs fotografisch zu dokumentieren: Eine Idee, die ich zum Thema meiner Bachelorarbeit machen wollte. Warum gehen Sie auf ein solches Schiff, was motiviert sie und was macht man letztendlich den ganzen Tag auf einem solchen Arbeitsschiff? Schon vor einigen Jahren stolperte ich über den Begriff „Frachtschifftourismus“. Was früher von vielen Leuten als Spinnerei und als „zu exotisch“ abgestempelt wurde, rückt mehr und mehr in den Fokus von Reiselustigen.

Planen – vor allem mit kontinuierlichen Kursänderungen

Die Probleme und Erfolge meiner bisherigen Foto-und Filmprojekte haben mich gelehrt: neue Projekte überschaubar aufbauen, gut planen und nicht übers Ziel hinausschießen. Für mich vielleicht noch wichtiger als für andere? Unabsichtlich unbeholfen und zur falschen Zeit am falschen Ort sein – nicht ohne Grund wurde ich von meinen Freunden „Buster“ (Buster Keaton des 21. Jahrhunderts) getauft. Aber, was kann auf einem Frachtschiff schon schief gehen? Die Parameter und Räumlichkeiten sind mit dem Schiffskörper festgelegt. Die Crew und Touristen bleiben über den Reisezeitraum die gleichen. Und, wenn an Tag A das Wetter nicht stimmt oder ein Akku leer ist, fotografiere ich an Tag B oder C oder D... Hochmotiviert und vielleicht etwas blauäugig begann ich mit meinen Recherchen. Doch schon die ersten Telefonate und E-Mails mit Reederein aus Hamburg, Bremen, bis nach Frankreich und sogar bis nach Taiwan nahmen mir den Wind aus den Segeln: „Solche Reisen führen wir nicht durch“ und „Da müssen Sie sich an eine Containerfrachtschiffspezialtourismusagentur wenden“. Nach ein wenig Internetrecherche stieß ich auf ein paar Spezialagenturen mit Sitz in Deutschland. Nach wochenlangem hin und her, dem Abklären von Start- und Zielpunkt, der Route, den Häfen, dem Schiff, der Reisedauer und ob und wie viele Passagiere an Bord sein würden, schien es, als wäre mir ein Fahrticket sicher. Als die Durchsprache der Unterlagen erfolgte, sollte ich auch eine Erklärung unterschreiben, bei der ich versicherte weder zu fotografieren noch zu filmen. Obwohl ich von Anfang an erklärte, was das Ziel meiner Arbeit war und ich diese öffentlich ausstellen will, war ich von dieser Forderung sehr überrascht. Die Reaktion der Frachtschiffagentur war schlicht: „Ups!“ Auf meine Frage folgte noch mehr wochenlanges hin und her mailen und telefonieren. Die Reedereien waren wenig angetan von meiner Idee: In der Vergangenheit hatten sich Touristen als Reporter entpuppt und wenig schmeichelhafte Artikel veröffentlicht. Konnten die Reederei und ich uns an einem Tag einigen, dass ich fotografieren durfte – erfolgte am nächsten Tag ein Anruf, dass sich meine Route verändert hatte oder das mein Ticket ganz gecancelt wurde.

Urlaub auf einem Container-Koloss


Doch endlich hatte ich die Zusage für das Frachtschiff Andrea und die Erlaubnis meine Reise fotografisch dokumentieren zu dürfen. Die Andrea ist ein 134,4m langen und fast 23m breites Containerschiff das mit seinem 7950 kW Motor bis z 986 Container auf einmal über die Weltmeere schifft. Die Besatzung besteht neben dem Kapitän aus 11 weiteren Crewmitgliedern (erster und zweiter Offizier, Chefingenieur, Maschinisten, Deckarbeiter und der Koch) und es können bis zu 4 Passagiere mitgenommen werden. Los gehen sollte es am 06. Oktober im Morgengrauen. Statt dem Containerschiff legte zuvor allerdings ein Unwetter am Antwerpener Hafen an und beschädigte Teile des Hafens so stark, dass viele Schiffe nicht anlegen konnten. Zum Glück verzögerte sich die Abfahrt nur um einen Tag. Am 7. Oktober kurz nach 9 Uhr morgens stieg ich an Bord der Andrea. Ein kräftiger Asiate mit unsicherem Lächeln, schüttelte meine Hand und führte mich zu meiner Kabine. Neben zwei anderen Arbeitern sah ich niemand anderen auf dem Schiff. Das Zimmer war sehr sauber und geräumiger als gedacht: Es bestand aus eine Art Wohnzimmer, von dem eine kleine Türe auf der linken Seite zu meiner Schlafkoje führte. Das Bett war schmal und klein aber unglaublich bequem. Neben dem Schlafzimmer war ein Bad mit Dusche. Als nächstes lernte ich Chico, den Koch kennen. Chico ist Mitte 40 und wohl eine der fröhlichsten Personen die ich je getroffen habe. Er bot mir gleich an, mir ein Frühstück zuzubereiten. Dann zeigte er auf die Treppen und beschrieb, wie ich auf die Brücke kommen würde. Beim Mittagessen kam Jack an Bord, der einzige andere Reisende. Jack hieß auch nicht Jack. Er bat mich seine Identität geschützt zu halten. Er war viele Jahre beim Militär gewesen und zahllose Einsätze in Kriegsgebieten. Nachdem ich ihm erklärte, dass ich die Menschen an Bord fotografieren wollte, gab er mir mit einem breiten freundlichen Grinsen zu verstehen, dass das eventuell nicht die beste Idee sei. Wahrscheinlich hatte er sich dadurch nicht nur Freunde gemacht. Er bat mich also ihn nicht zu fotografieren. Ich zweifelte zum wiederholten Mal an meinem Vorhaben.

Neuneinhalb Knoten voraus

19:00 Uhr. Die Andrea schlängelte sich an den anderen Schiffen aus dem Antwerpener Hafen hinaus. Das Frachtschiff war schwer zu übersehen: Sie ist 134,4 Meter lang und übertrumpft damit die amerikanische Freiheitsstatue. Die perfekt gestapelten Container werden an einer Handvoll Häfen entladen und durch neue ersetzt. Unsere geplante Route würde uns von Antwerpen nach Casablanca in Marokko, Cartagena in Portugal und Setúbal in Spanien führen und von dort über Rotterdam zurück nach Rouen in Frankreich. Um dem Kapitän und die Crew nicht gleich zu verschrecken, verzichtete ich die ersten Tage oft auf meine Kamera. Sie erzählten mir woher sie kommen, wie lange sie schon auf See arbeiten und über ihre Familien. Bossun 57. Er arbeitet seit mehr als 40 Jahren als Seemann. Der Tagesablauf an Bord ist klar strukturiert: Zwischen 7 und 8 Uhr morgens gibt es Frühstück, von 12 bis 13 Uhr Mittagessen und von 17 bis 18 Uhr Abendbrot. Während ihrer Arbeitszeit – rund acht Stunden pro Tag – reinigen, warten und reparieren die Männer das Schiff. Durch das reizende Salzwasser müssen die Roststellen kontinuierlich beseitigt, ausgebessert und neu gestrichen werden. Außerdem bereitet die Crew das Schiff auf das An- und Ablegen in Häfen vor und organisiert das Beladen und „Löschen“ der Container. Wenn es die Zeit zulässt, können sie ein paar Stunden an Land gehen. Ihre Freizeit verbringen die Männer mit Telefonieren, im Internet surfen, Filmschauen oder im Fitnessraum. Nachdem ich die Arbeiter kennengelernt und mich an das Schiff und den Seegang gewöhnt hatte, begann ich jeden Tag vor dem Frühstücken mit dem Fotografieren und Filmen und hörte erst nach dem Abendessen wieder auf.

Mein Equipment

Die PENTAX 645Z benutzte ich als Hauptkamera. Durch ihr robuste Konstruktion war sie das Ideale Werkzeug für die rauen Bedingungen auf See. Außerdem ermöglichen mir die optischen Vorteile des Mittelformatsensors, zusammen mit der hohen Detailauflösung und der fantastischen Farbwiedergabe, Bilder in unübertreffbarer Qualität zu machen. Zudem hatte ich noch die Theta V mit an Board, eine kleine aber durch und durch leistungsfähige 360° Kamera. Meine spiegellose Zweitkamera hat die Reise leider nicht schadlos überstanden.

Die ersten Stopps

Am sechsten Tag steuerten wir auf Casablanca zu. Außen auf der Brücke installierte ich meine kleine 360 Grad Kamera, um eine Timelapse-Aufnahme vom Einfahren in den Hafen aufzunehmen und schoss mit meiner Pentax noch ein paar Bilder. Danach konnte ich ein paar Stunden die Stadt erkunden. Zwei Tage später stellte sich zu meinem großen Schrecken heraus, dass ich unabsichtlich Bilder vom Militärhafen in Casablanca gemacht hatte. Er liegt gleich neben dem gewerblichen Hafen. Zwei Hafenarbeiter hatten mich dabei gesehen und es den Behörden gemeldet. Während ich durch Casablanca gelaufen war, musste unser Kapitän die Behörden davon überzeugen, dass ich kein Spion war. Zum Glück ist keinem die 360 Grad Kamera aufgefallen... Nach Casablanca fuhren wir nach Cartagena, im süd-östlichen Spanien. Danach sollte es eigentlich nach Setúbal in Portugal und Agadir im Süden Marokkos gehen. Da sich der Zeitplan aber noch während der Fahrt immer wieder änderte, ging es von Cartagena direkt zurück nach Rotterdam. Für mich hieß das also: Statt drei Wochen an Board würden es nur knapp über zwei Wochen werden. Höchste Zeit, die Luftbildaufnahmen zu machen. Die Luftbildfotografie entpuppte sich als echte Herausforderung: Für eine Drohne wäre es viel zu windig gewesen und meine Fähigkeiten als Drohnenpilot sind noch nicht sehr ausgeprägt – ich hätte damit viel Geld wortwörtlich ins Wasser gesetzt. Daher entschied ich mich für einen Luftbilddrachen. Das ist prinzipiell das selbe wie ein Drachen an einer Schnur für Kinder, nur größer und konstruktionsbedingt auch sehr viel stabiler. An diese Drachen konnte ich mit einem Picavet eine Kamera anbringen. Ein Picavet ist Seilsystem mit einer Art Kreuz als Basis, an der eine Kamera angebracht werden kann, die sich durch das Seilsystem und die Schwerkraft immer wieder selbst horizontal ausrichtet, egal wie der Drachen steht. Da uns auf dem Rückweg nach Rotterdam eine „frische Brise“ mit bis zu 30 km pro Stunde Wind entgegenschlug, waren die Bedingungen eigentlich optimal: Auf der Andrea gab es genau eine Position um den Drachen in die Höhe zu bekommen ohne dass dieser gegen die Radaranlage pfeffern würde. Nach einigen Bruchlandungen hatte ich es mit Jacks Hilfe endlich geschafft, den Drachen mit der 15 Meter langen Leine stabil in der Luft zu halten... bis ich dem Drachen mehr Leine geben wollte und er in den Abgasstrom des Motors gekommen ist. Er wurde vom Wind und den Hitzeturbulenzen erfasst und stürzte ab. Beim einholen riss mir ein kräftiger Windstoß den Drachen aus der Hand und drückte Ihn direkt an die frisch gefettete Lüftungsklappe. Der Drachen sah Furchtbar aus und war nicht mehr flugtauglich. Nach dem ich Ihn gereinigt und repariert hatte waren die Wetterbedingungen leider weit entfernt von auch nur ansatzweise OK. Somit gibt es von meinem Abenteuer leider keine einzige Luftaufnahme. Aber ein noch größeres Problem stand uns bevor: Ophelia, der Orkan mit Winden bis zu 185 km pro Stunde, würde laut Wettervorhersagen direkt auf uns stoßen.

Ophelia lässt grüßen

Als wir durch die Straße von Gibraltar auf den atlantischen Ozean fuhren, wurde die See spürbar unruhiger. Ophelia war gerade mit voller Wucht auf die irische und englische Küste getroffen. Das Schiff bewegte sich mit rollenden Bewegungen im Wasser auf und ab und vor der Küste Portugals rollte ich mich selbst – seekrank – in meinem Bett. Der zweite Offizier hatte mich kurz davor über die zwei Stadien von Seekrankheit aufgeklärt: Stadium 1 – man glaubt man stirbt. Stadium 2 – man wünscht sich, dass man schon tot sei. Schmunzelnd fügte er hinzu, dass er gehört habe, dass sich Menschen schon versucht haben umzubringen, um die Übelkeit loszuwerden. Erst im Ärmelkanal – nachdem ich Reisetabletten wie Gummibärchen geschluckt – und sich die See wieder beruhigt hatte, ging es mir wieder besser.

Zurück in Rotterdam

Zurück in Rotterdam wurden wie an jedem Stopp Teile der alten Ladung „gelöscht“ und Container geladen. Von dort ging es auf zu unserer letzten Station nach Rouen in der Normandie. Der krönende Abschluss? Zurück im Ärmelkanal begann der Motor Probleme zu machen: Durch eine undichte Stelle trat im Motorraum am dritten Zylinder Kraftstoff aus und entzündete sich. Da man im Kanal aber nicht einfach anhalten oder umdrehen kann, mussten wir mit kaputtem Motor erst einmal weiter fahren. Nach dem verlassen des Kanals konnte das Schiff „rechts ranfahren“ um den Motor abzustellen und zu reparieren. In nur 40 Minuten hatten drei Crewarbeiter den Motorblock geöffnet und die defekte Einspritzdüse ausgetauscht. Mit Hilfe eines kleinen magnetischen Statives konnte ich die Reparaturen mit meiner 360 Grad RICOH Theta V Kamera einfangen. Ich habe sie einfach an die Stahldeck über mir gehängt. Wenige Stunden später waren wir vorbei an Le Havre, über die Seine an unserer Endstation Rouen angekommen. Ein starker Kontrast zu den letzten Tagen: Alte Fachwerkhäuser und Schlösschen auf grünen Wiesen, die von Spatzen und Meisen angezwitschert wurden.